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Die Geschichte der Jugendherbergen in Deutschland
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Am 26. August 1909 wanderte der Volksschullehrer Richard Schirrmann mit einer Gruppe von Schülern durch das Sauerland in Nordrhein-Westfalen. Plötzlich kam ein heftiges Gewitter, und die Gruppe musste in einer leeren Schule in der kleinen Stadt Altena übernachten. In dieser Nacht hatte Schirrmann eine Idee, die die Welt verändern sollte: Er wollte einfache und günstige Unterkünfte für junge Reisende schaffen, damit sie die Natur und fremde Orte kennenlernen konnten. Bereits 1912 eröffnete Schirrmann die erste ständige Jugendherberge auf der Burg Altena. Die alte Burg wurde umgebaut und bot Platz für etwa fünfzig Gäste. Die Einrichtung war sehr einfach: Es gab Stockbetten, eine gemeinsame Küche und einen großen Aufenthaltsraum. Schirrmann legte von Anfang an Wert darauf, dass die Herberge für alle sozialen Schichten offen sein sollte. Der Preis für eine Übernachtung betrug damals nur wenige Pfennige. Sein Freund Julius Schittenhelm aus Hamburg unterstützte ihn dabei finanziell, obwohl Schittenhelm selbst nie in Altena lebte, sondern sein Geschäft im Norden weiterführte. Die Idee verbreitete sich schnell. Bis 1920 gab es bereits über hundert Jugendherbergen in ganz Deutschland. Im Jahr 1919 wurde das Deutsche Jugendherbergswerk (DJH) in München gegründet, um die wachsende Zahl der Herbergen zu organisieren. Schirrmann wurde zum ersten Vorsitzenden gewählt. Der Hauptsitz des DJH wurde jedoch nicht in München eingerichtet, sondern zog später nach Detmold in Ostwestfalen, wo er sich bis heute befindet. Während des Zweiten Weltkriegs wurden viele Jugendherbergen zerstört oder für militärische Zwecke genutzt. Nach dem Krieg begann der langsame Wiederaufbau. Besonders in den 1950er Jahren erlebten die Jugendherbergen einen neuen Aufschwung, weil viele junge Deutsche ihr eigenes Land wiederentdecken wollten. In dieser Zeit entstanden auch internationale Partnerschaften, und 1932 war bereits die International Youth Hostel Federation in Amsterdam gegründet worden, die heute Hostelling International heißt und ihren Sitz in London hat. Heute gibt es in Deutschland rund 450 Jugendherbergen mit etwa zehn Millionen Übernachtungen pro Jahr. Das Angebot hat sich stark verändert: Moderne Jugendherbergen bieten Einzelzimmer, WLAN und sogar Wellnessbereiche an. Viele Häuser haben sich auf bestimmte Themen spezialisiert, zum Beispiel Sport, Musik oder Umweltbildung. Auch die Gäste haben sich verändert — längst übernachten nicht mehr nur Jugendliche dort, sondern auch Familien, Senioren und Geschäftsreisende. Richard Schirrmann starb 1961 in Grävenwiesbach, aber sein Erbe lebt weiter. Die Jugendherberge auf der Burg Altena existiert noch immer und ist gleichzeitig ein Museum, das an die Anfänge der Jugendherbergsbewegung erinnert. Schirrmanns ursprüngliche Vision — einfache Unterkünfte, die Menschen verschiedener Herkunft zusammenbringen — ist auch nach über hundert Jahren noch lebendig.