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Alte Schätze retten: Repair-Cafés
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Es ist Samstagmorgen, kurz vor 10 Uhr, in einem kleinen Nachbarschaftszentrum in Leipzig-Plagwitz. Draußen stehen schon etwa fünfzehn Menschen in einer Schlange. Sie tragen keine Einkaufstüten, sondern alte Toaster, kaputte Lampen oder Stühle mit wackeligen Beinen. Sie warten auf den Einlass in das „Repair-Café“, eine Veranstaltung, die hier einmal im Monat stattfindet. Das Konzept ist einfach, aber genial: Anstatt defekte Gegenstände in den Müll zu werfen, versuchen die Besitzer, sie gemeinsam mit ehrenamtlichen Experten zu reparieren. Diese Bewegung, die ursprünglich im Jahr 2009 in den Niederlanden begann, hat sich mittlerweile in der ganzen Welt verbreitet. Allein in Deutschland gibt es heute über 1.500 solcher Initiativen. Eine der Besucherinnen ist Sabine Müller. Die 42-jährige Lehrerin hält eine Kaffeemaschine fest im Arm, die sie vor fünf Jahren gekauft hat. „Plötzlich ging sie einfach nicht mehr an“, erzählt Sabine. „Im Elektromarkt hat man mir gesagt, eine Reparatur würde 80 Euro kosten. Eine neue Maschine kostet nur 100 Euro. Das lohnt sich also finanziell nicht.“ Doch Sabine wollte das Gerät nicht wegwerfen, auch aus ökologischen Gründen. Nun sitzt sie Dieter gegenüber. Dieter ist 68 Jahre alt, gelernter Elektriker und seit drei Jahren Rentner. Er engagiert sich freiwillig im Repair-Café, weil ihm zu Hause oft langweilig ist und er sein Fachwissen gerne weitergeben möchte. Anders als in einer professionellen Werkstatt gibt man den kaputten Gegenstand hier nicht einfach am Empfang ab. Das Motto lautet: „Hilfe zur Selbsthilfe“. Sabine muss selbst den Schraubenzieher halten, während Dieter ihr erklärt, welche Schrauben sie lösen muss. Die Motivation der Besucher ist unterschiedlich, aber der Umweltschutz spielt eine zentrale Rolle. Jedes Jahr produzieren die Deutschen tonnenweise Elektroschrott. Viele Geräte landen auf dem Müll, obwohl nur kleine Bauteile defekt sind. Dieter hat die Kaffeemaschine von Sabine mittlerweile geöffnet. „Sehen Sie hier?“, fragt er und zeigt auf ein kleines, verbranntes Kabel. „Das ist ein Pfennigartikel. Die Industrie baut Geräte oft so, dass sie schnell kaputtgehen.“ Das ist Dieters feste Überzeugung, auch wenn Hersteller das oft bestreiten. Nach zwanzig Minuten und dem Austausch des Kabels leuchtet das Lämpchen der Maschine wieder rot. Sabine strahlt. Nicht jede Reparatur ist so erfolgreich. Bei etwa 30 Prozent der mitgebrachten Dinge müssen Dieter und seine Kollegen kapitulieren. Manchmal sind die Geräte verklebt und lassen sich nicht öffnen, ohne das Gehäuse zu zerstören, oder es gibt schlicht keine Ersatzteile mehr auf dem Markt. Neben dem Sparen von Geld und Ressourcen hat das Repair-Café noch eine weitere wichtige Funktion: Es bringt Menschen zusammen. In der Mitte des Raumes stehen Tische mit Kaffee und selbstgebackenem Kuchen. Während man auf einen freien Experten wartet, kommt man ins Gespräch. „Wir haben hier schon Freundschaften entstehen sehen“, sagt Markus, der Organisator der Leipziger Gruppe. Er betont, dass das Angebot kostenlos ist. Allerdings steht am Ausgang eine Spendenbox. Von diesem Geld kauft das Team Werkzeug, Kabelbinder oder eben Kaffee für den nächsten Monat. Markus beobachtet jedoch auch ein Problem: „Unser Team wird immer älter. Wir finden kaum junge Leute, die reparieren können oder wollen. Viele wissen heute gar nicht mehr, wie man Dinge auseinanderschraubt.“ Trotz der Erfolge sehen manche Kritiker die Bewegung skeptisch. Sie fürchten, dass professionelle Handwerksbetriebe Kunden verlieren könnten. Markus sieht das anders. „Wir sind keine Konkurrenz“, erklärt er. „Zu uns kommen Leute mit billigen Mikrowellen oder alten Radios. Kein professioneller Handwerker würde diese Reparaturen annehmen, weil die Arbeitszeit zu teuer ist.“ Für Sabine hat sich der Besuch jedenfalls gelohnt. Sie packt ihre funktionierende Kaffeemaschine ein und wirft fünf Euro in die Spendenbox. „Nächsten Monat komme ich wieder“, sagt sie zum Abschied. „Ich habe da noch einen Föhn, der komische Geräusche macht.“ Ob der Föhn noch zu retten ist, wird sich dann zeigen, aber Sabine weiß nun zumindest, dass Wegwerfen nicht die einzige Option ist.