Leseverstehen
Wohnen für Hilfe
Leseverstehen Teil 2
Lesen Sie den Text und die Aufgaben 6–10. Welche Lösung (a, b oder c) ist jeweils richtig?
Studierende leben fast ohne Miete bei älteren Menschen – für jeden Quadratmeter eine Stunde Hilfe im Monat. Wohnungsgeber werden noch gesucht. Lena, die Pharmaziestudentin aus Klagenfurt, bewohnt seit einem Jahr ein kleines Zimmer bei Frau Berger, 81. Tomás, der aus Portugal kommt, führt jeden Abend den Hund von Herrn Pichler aus. Katharina, im dritten Semester, zeigt einer 76-Jährigen, wie man mit dem Tablet telefoniert. Drei junge Leute in fremden Wohnungen – und Miete überweist keiner von ihnen. Sie tragen lediglich die Kosten für Strom, Wasser und Heizung. Dafür helfen sie im Alltag: einkaufen, kochen, Gartenarbeit, Vorlesen, Hilfe am Computer, den Hund ausführen. Möglich macht das der Verein „WohnBrücke“ in Graz. Die Regel ist einfach: ein Quadratmeter, eine Stunde. Wer also ein Zimmer von 14 Quadratmetern bewohnt, hilft dafür 14 Stunden im Monat. Vor dem Einzug unterschreiben beide Seiten eine schriftliche Vereinbarung, in der die Aufgaben genau festgehalten sind. Nicht erlaubt ist dagegen alles, was zur Pflege gehört: Wer Medikamente verteilt oder beim Waschen hilft, überschreitet die Grenze – dafür sind ausgebildete Fachkräfte zuständig. „Zimmer gibt es genug, es fehlt der Mut“, sagt Koordinatorin Eva Sanchez. „Viele ältere Leute haben Platz übrig. Aber wer lässt schon einen Fremden in seine Wohnung?“ Zwar melden sich in jedem Semester über hundert Studierende, doch nur jede vierte Anfrage findet am Ende einen Partner. Trotz dieser Schwierigkeiten fällt die Bilanz von Sanchez positiv aus: „Immerhin haben wir seit der Gründung vor drei Jahren rund sechzig Paare zusammengebracht.“ Auch ein Dienst an der Stadt, denn jedes vermittelte Zimmer bedeutet: eine Wohnung mehr, die wirklich genutzt wird, und ein Mensch weniger, der jeden Abend allein isst. Begonnen hat alles mit einer Sozialarbeiterin: Ingrid Moser, die in einer Beratungsstelle für Wohnungsnot arbeitete, wollte nicht länger zusehen, wie große Wohnungen halb leer stehen, während Studierende im September in Notunterkünften schlafen. Nähere Informationen, auch für interessierte Wohnungsgeber: Verein „WohnBrücke“, Graz, Telefon: 0316/45 82 19.