LeseverstehenTeil 1
Lesen Sie den Text und die Aufgaben 1 bis 6 dazu. Wählen Sie: Sind die Aussagen Richtig oder Falsch?
Hallo Ben, ich melde mich endlich wieder – seit unserem letzten Telefonat im März ist hier einiges passiert. Wie läuft es eigentlich in deiner neuen Wohnung? Hast du dich in dem alten Haus schon eingelebt? Also: Unser Auto ist weg. Verkauft, seit sechs Wochen. Du weißt ja, wie lange ich davon geredet habe – und wie oft Martin gesagt hat, dass wir das nie schaffen. Am Ende hat er den Vertrag selbst unterschrieben, und ich habe den Eindruck, er vermisst den Wagen sogar weniger als ich. Angefangen hat alles mit einer Rechnung aus der Werkstatt. Zweitausend Euro für ein Auto, das ich vielleicht zweimal pro Woche gebraucht habe – da habe ich mich hingesetzt und gerechnet. Versicherung, Stellplatz, Benzin, Reparaturen: Zusammen war das deutlich mehr, als ich vorher angenommen hatte. Ehrlich gesagt bin ich die meisten Strecken sowieso mit der U-Bahn gefahren, weil man in unserem Bezirk ohnehin keinen Parkplatz findet. Schwierig war eigentlich nur der Wocheneinkauf. Dafür haben wir jetzt ein Lastenrad, gebraucht, von einem Kollegen aus dem Büro. Ich hätte nie gedacht, dass so ein Ding tatsächlich Spaß macht. Die Kinder sitzen vorne in der Kiste und erzählen den ganzen Weg. Für größere Sachen gibt es zwei Straßen weiter ein Carsharing, und bis jetzt war immer ein Wagen frei, wenn wir einen gebraucht haben. Was mich überrascht hat: Nicht das Geld war das Beste an der Sache, sondern dass unsere Wochenenden heute anders aussehen. Früher sind wir am Samstag ins Auto gestiegen und irgendwohin gefahren, ohne genau zu wissen, warum. Jetzt bleiben wir oft im Grätzl*, gehen zu Fuß, und die Kinder kennen plötzlich die halbe Straße. Nur bei Regen und mit vollen Taschen denke ich manchmal kurz an den alten Kombi. Aber wirklich nur kurz. Eine Sache hat mich übrigens überrascht: Die Nachbarn haben schon nach zwei Wochen gefragt, ob sie das Lastenrad ausleihen dürfen. Inzwischen hängt im Hausflur ein Zettel mit einem kleinen Kalender. Kommst du uns im Sommer besuchen? Vom Bahnhof sind es zu Fuß zehn Minuten – du brauchst bei uns nicht einmal ein Auto. Liebe Grüße aus Wien Judith *Grätzl = österreichischer Standard für „Stadtviertel“
0. Judith und Ben haben zuletzt im März miteinander gesprochen.