LeseverstehenTeil 4
In einem Internetforum lesen Sie Kommentare zur Frage „Sollen Handys an Schulen verboten werden?“. Lesen Sie die Texte 20 bis 26. Wählen Sie: Ist die Person für ein Handyverbot an Schulen, Ja oder Nein?
Beispiel
Wer einmal in einer siebten Klasse in der Pause gestanden hat, stellt diese Frage nicht mehr. Man kann das bedauern oder pädagogisch begründen; von allein ändert es sich jedenfalls nicht. Kein Kind redet, alle starren nach unten. Ich habe zwanzig Jahre unterrichtet und kenne die Zeit davor. Die Geräte gehören morgens in einen Kasten und nachmittags wieder heraus.
20
Natürlich lernen Kinder den Umgang mit dem Handy nicht durch ein Verbot, das stimmt schon. Sie lernen ihn allerdings genauso wenig dadurch, dass sie sechs Stunden am Tag darauf schauen. Nur: In der Schule sollen sie rechnen, lesen und streiten lernen. Für das Digitale gibt es eigene Unterrichtsstunden. Deshalb bin ich dafür, private Handys in den Pausen zu verbieten.
21
Ich habe letztes Jahr mein Abitur gemacht. In der Schülervertretung haben wir über genau dieses Thema ein halbes Jahr lang gestritten. Bei uns war das Handy verboten, benutzt haben es trotzdem alle, nur eben heimlich auf der Toilette. Sinnvoller wäre gewesen, uns beizubringen, wann man es weglegt. So etwas verschwindet nicht, es verschiebt sich nur.
22
Meine Enkelin fährt jeden Tag vierzig Minuten mit dem Bus zur Schule. Zweimal ist dieser Bus in diesem Winter ausgefallen, und beide Male hat sie uns angerufen. Wenn unterwegs etwas passiert, muss sie uns erreichen können. Darum bin ich gegen ein vollständiges Handyverbot an Schulen.
23
Seien wir ehrlich: Kein Erwachsener schafft es, das Ding während einer Sitzung liegen zu lassen. Ich jedenfalls schaffe es nicht, und ich bin dreimal so alt wie die Kinder, über die wir hier reden. Warum verlangen wir es dann von Zwölfjährigen? In diesem einen Punkt darf die Schule den Kindern die Entscheidung ruhig abnehmen, das ist keine Bevormundung.
24
In der Klasse meiner Tochter wird mit dem Handy gearbeitet: Sie fotografieren die Tafel, schlagen Vokabeln nach, nehmen Versuche auf. Die Lehrerin hat dafür Regeln aufgestellt, an die sich seit einem Jahr alle halten. Tablets hat die Schule kaum. Nimmt man die Geräte weg, fehlt am Ende genau das Werkzeug, mit dem der Unterricht überhaupt funktioniert.
25
Ich habe mich lange über solche Debatten geärgert und jede Regelung für überflüssig gehalten. Wer ständig etwas wegnimmt, so dachte ich, erzieht niemanden, sondern verschiebt das Problem nur. Dann habe ich an einer Schule ausgeholfen, in der die Geräte morgens abgegeben werden. Das Erste, was mir auffiel, war der Lärm auf dem Hof. Die Kinder spielen dort wieder.
26
Schulen sollten endlich vernünftige Regeln aufschreiben: im Unterricht aus, in der Pause frei, bei Missbrauch klare Konsequenzen. An unserer Schule hat eine einzige Klasse das vor drei Jahren selbst formuliert, und es hält bis heute. Das ist mehr Arbeit als ein Satz in der Hausordnung, bereitet aber auf ein Leben vor, in dem niemand die Geräte einsammelt.
0. Renate